regional-markt: Interview mit Gründer Sebastian

Im wahrsten Sinn des Wortes ist regional gerade in aller Munde. Deshalb haben wir bei Sebastian Müller, einem der Gründer des Start-Ups regional-markt, mal genauer nachgefragt. Ist eine Ernährung mit ausschließlich lokalen Produkten überhaupt möglich? Und wieviel kostet das wirklich im Vergleich zum Discounter?

regional-markt Die beiden Gründer Stephan (links) und Sebastian

Prostmahlzeit: Vor einigen Jahren hast du Regional Markt gegründet. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Sebastian: Meine gesamte Familie arbeitet in der Lebensmittelbranche, mein Vater hat seinen eigenen Catering Service und meine Mutter importiert europäische Feinkost-Delikatessen. Durch meine frühere Aktivität im Leistungssport (Rudern) spielten eine gesunde und ausgewogene Ernährung immer eine große Rolle für mich. Als ich dann in meinem vorherigen Job bei Westwing, einem Home & Living Shopping Club, 2 Jahre lang einen Schwerpunkt im E-Commerce und besonders der Logistik hatte, fing ich an, mich mit dem Online Lebensmittelhandel zu beschäftigen. Für mich kam es nicht in Frage, einen regulären Online Supermarkt oder Ähnliches aufzumachen, da ich mir schon lange gewünscht hatte, die leckeren und frischen Lebensmittel vom Land in der Stadt verkaufen zu können. Dass wir mit Regional Markt jetzt in der Lage sind, eine sehr traditionelle Branche mit dem modernen Medium Internet zu verbinden, ist echt klasse.

Prostmahlzeit: Wie wählt euer Team eure Produkte aus? Worauf achtet ihr besonders?  

Sebastian: Für die Auswahl unserer Höfe haben wir gemeinsam mit der Agrarfakultät der TU München einen Kriterienkatalog erarbeitet, der sich in vier Kategorien gliedert.  1. Lage & Herkunft, liegt der Hof in Oberbayern (ca. 100km Radius um München), 2. Arbeitsweise der Höfe: Wie arbeiten und denken die Menschen auf dem Hof, wird artgerechte Tierhaltung ernst genommen? Wo kommen Futtermittel her? Wird gedüngt, wenn ja mit was? Werden Antibiotika eingesetzt? Das sind Kernfragen für uns und auch K.O. Kriterien, wenn diese nicht unseren Ansprüchen genügen. 3. Geschmack & Qualität: Der Geschmack und die Qualität der Lebensmittel ist dann natürlich auch sehr wichtig. Nur weil es regional ist, heißt das ja noch lange nicht, dass es auch schmeckt. Und 4. Philosophie & Motivation der Höfe: Eine eher qualitativere Einschätzung, aber uns ist enorm wichtig, wie ehrlich die Menschen auf den Höfen sind und aus welcher Motivation heraus sie den Hof betreiben. Die intrinsische Motivation und Wertschätzung der Arbeits- und Lebensweise ist uns ein großes Anliegen.

schmankerlProstmahlzeit: Du hast gerade einen Selbstversuch hinter dir und dich einige Wochen ausschließlich regional ernährt. Warum hast du dich dazu entschieden?

Sebastian: Ja, mittlerweile ist mein Selbstversuch vorüber und es war eine insgesamt großartige Erfahrung. Mit Sicherheit etwas extrem, aber doch sehr spannend. Ich wollte einfach mal herausfinden und ein Bewusstsein dafür gewinnen, ob es überhaupt möglich ist, sich heutzutage noch regional zu ernähren. Außerdem wollte ich herausfinden, ob es in unseren heutigen doch sehr geschäftigen Alltag passt und ob es grundsätzlich überhaupt gesund ist oder doch vielleicht zu einseitig wird.

Prostmahlzeit: Und, ist eine ausschließlich regionale Ernährung überhaupt möglich?

Sebastian: Also ich habe es tatsächlich geschafft, mich ausschließlich regional zu ernähren, mit der Ausnahme von Kaffee, darauf konnte ich einfach nicht verzichten, da wäre ich meinem Team sehr schnell auf die Nerven gegangen. Allerdings muss ich auch sagen, dass es nicht immer einfach war. Gerade die Spontanität leidet schon sehr und man ist in Gesellschaft außer Haus doch immer wieder eingeschränkt. Was auch ein Problem darstellt, ist die Undurchsichtigkeit der Labels, gerade in Super- und Biomärkten. Wenn man genau hinsieht, ist vieles trotz einer Auszeichnung als regionale Produkt eigentlich gar nicht regional, da es z.B. nur in der Region abgepackt wurde oder einfach nicht klar erkennbar ist, was alles drin ist.

 Prostmahlzeit: Wie hast du dein Experiment mit deinem Berufsalltag verbunden?

Sebastian: Am Ende bin ich öfter auf den Markt gegangen, habe bei kleineren Metzgereien oder Ähnlichem eingekauft und habe aber den Großteil über Regional Markt bezogen. Alleine da ich oft nicht die Zeit fand, auf den Markt zu gehen oder weil die Läden früh schließen, war das eine echt super Sache. In meinen Augen hat sich unser Konzept für mich in den 4 Wochen voll bestätigt. Ich habe beste oberbayrische Qualität direkt bis nach Hause bzw. meistens ins Büro geliefert bekommen und musste mir keine Gedanken machen, dass es nicht regional ist bzw. das die Qualität nicht frisch sei.

regionale-schmankerlProstmahlzeit: Wie sieht es finanziell aus – wie groß ist der preisliche Unterschied zum Discounter?

Sebastian: Im Vergleich zu einem Discounter ist es schon teurer, regional einzukaufen. Allerdings macht das meiner Meinung nach auch sehr viel Sinn. Die Produzenten sind meist kleine bis mittelgroße Höfe, die als Familienbetrieb geführt werden. Das schmeckt man zum einen in der Qualität und man merkt es zum anderen auch an der Frische. Das Gemüse z.B. wird jeden Morgen frisch geerntet, da findest du einfach nichts Besseres. Insgesamt ist es allerdings nicht teurer, als im Biomarkt oder teilweise auch im gehobenen Supermarkt einzukaufen, es teilweise echt schon frech, was dort für Preise für nicht so frische Waren verlangt werden.

Prostmahlzeit: Sei ehrlich: Schmeckt wirklich alles besser und frischer?

Sebastian: Besonders bei Gemüse, Brot, Fleisch und Milchwaren – Ja. Man schmeckt einen riesigen Unterschied und man merkt es auch an der Qualität der Produkte. Bei Fruchtaufstrichen, Öl & Essig oder Likören beispielsweise merkst du einfach, dass dort noch echte Handarbeit geleistet wird und es einfach wie bei Oma schmeckt. Natürlich spielt auch die emotionale Bindung eine Rolle, wenn man es bewertet. Allerdings ist Essen ja nicht nur reine Nahrungsaufnahme, sondern Genuss, und um so mehr Sinne ich befriedige, desto besser schmeckt es einfach.

Prostmahlzeit: Was wünschst du dir für die Zukunft von Regional Markt?

Sebastian: Für die Zukunft von Regional Markt wünsche ich mir, dass wir es schaffen, mehr Menschen Zugang zu diesen tollen Lebensmitteln zu geben, unsere Markthelden durch unseren Service zu unterstützen und für sie auch eine gewisse Sicherheit schaffen. Es wäre einfach schade, wenn sich alles dem Massenkonsum hingäbe und nicht mehr das zu schätzen weiß, was man quasi direkt vor der Haustüre findet.

Finden wir auch! Lieben Dank für das Interview, Sebastian.

UPDATE Oktober 2015: Leider haben wir soeben erfahren, dass regional-markt bzw. frischlich.de den Geschäftsbetrieb eingestellt hat.

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